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Wolfenstein City

Spielkultur | Special | 4Sceners

28.01.12, 09:36 Uhr, Bobic

Frédéric Motte ist vermutlich einer der ungewöhnlichsten Spielemusiker. Als bekennender Anhänger harter Gitarrenklänge setzt sich der begnadete Bassist zumeist mit elektronischer Musik für seine Auftragsarbeiten auseinander. Mit Erfolg! Seit den frühen 1990er Jahren hat der langhaarige Franzose Musik für mehrere Dutzend Computer- und Videospiele geschrieben. Seine Liebe für Heavy Metal kommt dennoch nicht zu kurz. Zum einen hat er mit Conkrete Studio sein eigenes Metal-Plattenlabel am Start, und veröffentlichte erst kürzlich mit seiner Band Plug-In sein zweites Album Hijack, das so unglaublich kraftvoll und meldisch daherkommt, dass wir "Moby", so sein Pseudonym in der Demoszene, einfach zum Gespräch bitten mussten. Dabei plauderten wir mit ihm nicht nur über Hijack und Spielemusik, sondern auch über seine Anfänge in der Demoszene, die seinen Ruhm mitbegründeten, und befragten ihn zu einigen ganz speziellen Songexperimenten.

Der Musiker Moby ist in der Demoszene längst zur Lichtgestalt avanciert. Über den Menschen Frédéric Motte ist jedoch nur sehr wenig bekannt. Magst du uns ein wenig von dir selbst erzählen? Was begeistert dich abseits der Musik?

Das ist eine schwierige Frage… Wer bin ich? Nun, eigentlich ein ziemlich einfacher Mensch. Ein Liebhaber von Musik, wie du vielleicht vermutest. Seit ich damals meine Commodore-Computer bekommen habe, dreht sich alles in meinem Leben um die Musik und wie ich mich damit weiter entwickeln kann. Ich komponiere Musik für Videospiele, habe ein eigenes Aufnahmestudio, in welchem ich mit anderen Bands und Musikern arbeite. Da bleibt nicht viel Raum für andere Dinge neben der Musik. Dennoch versuche ich hin und wieder etwas Zeit zu finden, um ein gutes Video-Game zu spielen, oder mir einen guten Science-Fiction- oder Horrorfilm anzuschauen. Aber, Moment mal… Ich höre mir gerne Heavy-Metal-Musik an, schaue Horrorfilme und spiele Videospiele… Den Medien nach zu urteilen bin ich ein Musterbeispiel für einen künftigen Amokläufer…

Du bist ein begnadeter Bassist. Wieso hast du dich für den Bass und gegen die Gitarre entschieden?

Haha, begnadet ist wohl ein wenig übertrieben. Um ehrlich zu sein: Der Bass hat mich auserwählt, nicht ich ihn. Ich habe mich mal am Schlagzeug versucht, dort aber ziemlich versagt. Dann kam das Keyboard dran, was mir aber viel zu langweilig war. Als ich merkte, dass ich auch beim Gitarre spielen nicht gerade mit Talent gesegnet war, kam schließlich der Bass an die Reihe. Und Halleluja! Ich hatte noch nie so viel Spaß mit einem Instrument. Hier trifft das Beste aus zwei Welten aufeinander, Rhythmus und Melodie! Das kompensierte meinen Frust, dass ich nicht in der Lage war Schlagzeug oder Gitarre zu spielen.


Hijack - Das Album
Heavy Metal ist laut und böse, sagen manche Menschen. Hijack, das zweite Album von Mobys Band Plug-In, tritt den Beweis an, dass diese Leute keine Ahnung von dem haben, was sie reden. Auf Hijack harmonieren die Gitarren gar prächtig mit den Drums und dem Bass. Sie vollführen ein perfektes Liebesspiel zwischen eleganten Saitenzupfern und harten Riffs. Sie prägen die neun Songs mit wunderschönen Melodien, die sich im Kopf festbeißen, ohne dass dem Zuhörer entgeht, wie perfekt auch die anderen Instrumente beherrscht werden. Auch diesen kommt auf Hijack eine besondere Rolle zu. Wie Moby, der Bassist der Band im Interview anmerkt, wollten Plug-In instrumentalen Metal erschaffen, der nicht alleine von der Gitarre dominiert wird. Das ist ihnen vollends gelungen. Mit Bedacht haben Plug-In außerdem Synthesizer- und Chiptune-Sounds eingesetzt, die ihren Songs noch mehr Ausdruckskraft verleihen. Und wer sagt, dass Heavy-Metal-Musik ohne Gesang nicht funktioniert, der sollte sich einmal dieses Album anhören - oder ist schlicht und ergreifend einfach nur böse!


Hijack ist in zwei Versionen erhältlich. Zum einen in der schicken Digipack-Edition für 11,99 Euro, oder als Digital Download, der mit nur 6,99 Euro zu Buche schlägt.

Wer kostenlos an ein Exemplar der Digipack-Edition von Hijack abstauben möchte, sollte einen Blick auf unser Gewinnspiel werfen.



Wer ist eigentlich Moby?
Frédéric Motte hat seine Wurzeln, wie viele andere Computerspielemusiker auch, in der Demoszene. Unter dem Pseudonym "Moby" schuf er etliche legendäre Songs für Demos, darunter etwa die drei Tracks aus der Amiga-Demo Arte! von Sanity (1993). Bereits 1990 entstand die Musik für das Megademo von Dragons, sowie Tropical Night von Impact Inc., beide ebenfalls für Amiga. Ein Jahr später war er dann auf der Music Disk More than Music von Alcatraz vertreten. Unvergessen auch: Let there be funk aus Tales of a dream, sowie natürlich Knulla Kuk !!! aus der Kult-Demo Substance. Auf dem PC war Moby in der Demoszene nicht aktiv.

Im spielerischen Sektor erntete Moby mit der Musik für die Amiga-Spiele Fascination und Fury of the Furries erste Lorbeeren. Nightmare Creatures und Dark Earth zählen zu seinen besten PC-Spielevertonungen. Heutzutage mischt er vor allem in der Handheld-Szene mit. Ein kleiner Auszug aus seiner Discografie: Science Papa (DS), An American Tail: Feivel's Goldrush (GBA), Time Power (DS), Totally Spies 3 (DS), AlphaBounce (DSiWare), Pirates: Hunt for Blackbeard's Booty (Wii).

Auf folgenden Webseiten erfährt man mehr über Moby und seine Projekte:
- Moby auf Bandcamp
- Plug-In auf Bandcamp
- Homepage von Moby
- Conkrete Studio
- Moby auf Soundcloud

Wer in die Musikwelt von Moby eintauchen möchte, dem legen wir den BitJam Podcast #148 (MP3-Download / CUE-File) ans Herz. Das "Moby Special" bietet mit seinen rund 43 Minuten Spielzeit eine bunte Reise durch die musikalische Wunderwelt des Franzosen.

Kürzlich wurde Hijack, das zweite Album deiner Band Plug-in, veröffentlicht. Wieso habt ihr euch fast 12 Jahre Zeit gelassen, bis ihr wieder ins Studio gegangen seid?

Fanalo (der Gitarrist in meiner Band) und ich begannen bereits 2001 mit dem Schreiben der Stücke für „Hijack“. Aber wir waren beide ziemlich mit Arbeit eingedeckt, weshalb es schwer war, überhaupt etwas Zeit zu finden um miteinander zu arbeiten. Fanalo arbeitet in einer Musikschule, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, während ich mir durch meine Arbeit in der Spieleindustrie und mit meinem eigenen Studio ebenfalls kaum Luft verschaffen konnte. Weil wir so selten zusammen tüfteln konnten, haben wir jedes Stück immer sofort aufgenommen, nachdem wir es fertig geschrieben haben. Das hatte zur Folge, dass jedes Stück über einen Zeitraum von mehreren Wochen fertiggestellt wurde. Bei einigen hat es gar Monate gedauert! Nachdem die Lieder im Kasten waren, musste das Schlagzeug hinzugefügt werden. Da wir zu diesem Zeitpunkt keinen Schlagzeuger hatten, fragten wir den Drummer vom ersten Album, ob er das machen könnte. Er sagte zu, aber wir mussten warten bis er Zeit hatte, da er noch mit seinen anderen Bands genug zu tun hatte.

Danach hat es wieder ein paar Monate gedauert, bis ich Zeit hatte um das Album abzumischen und fertigzustellen. Auch das war ein ziemlich langer, aufwändiger Prozess, da die Aufnahmen ziemlich unterschiedlich waren. Es folgte die Suche nach jemand, der uns das Artwork für das Album gestalten könnte. Einige Freunde hatten uns zwar ihre Hilfe angeboten, aus verschiedenen Gründe wurde daraus jedoch nichts. Als das Artwork dann fertig war, schickten wir die Master-CD ins Presswerk. Leider vermasselten wir die erste Charge, weshalb wir alles zurücksenden mussten. Zwei weitere Monate verstrichen, und so konnte „Hijack“ endlich letzten Sommer veröffentlicht werden.

In Hijack klingt ihr viel kraftvoller, reifer und intensiver als auf eurem Erstling #0.9.

Das erste Album war deutlich (eigentlich zu „deutlich“) von Joe Satriani inspiriert. Das war die häufigste Kritik, die wir zu hören bekamen. Mit „Hijack“ wollten wir etwas viel Persönlicheres, besser Durchdachtes machen. Unser Ziel war Songs zu schreiben, aber ohne Sänger. Etwas zu machen das sowohl Leute anspricht, die nicht unbedingt von Gitarren dominierte Musik hören, aber das auch für den Gitarrenliebhaber interessant bleibt. Durchaus eine Herausforderung, nicht wahr?

Inwieweit ist es für dich selbst wichtig, nicht „stehen zu bleiben“, also sich ständig weiter zu entwickeln?

Wie du weißt komponiere ich meistens Musik für Videospiele, die ich selbst nicht spiele, und zwar in Musikrichtungen, die ich nicht immer mag. Diese Art Job kann deine Kreativität zerstören. Ich versuche immer das absolute Beste für jedes Spiel zu geben, an dem ich arbeite. Manchmal ist das aber ziemlich schwierig. Es ist also äußerst wichtig für mich etwas zu machen und zu haben, wo ich mich selbst verwirklichen kann. Auf der Bühne mit meiner Band Plug-in zu stehen ist eine dieser Freiheiten, die ich unbedingt benötige. Ebenso brauche ich es, mehr eigene Sachen zu komponieren und mein eigenes Ding zu entwickeln. Momentan arbeite ich an ein paar Stücken, die vielleicht eines Tages veröffentlicht werden könnten. Ein Traum von mir ist, dass ich irgendwann einmal ein komplett eigenständiges Album veröffentliche. Eines, das zu 100% meine eigenen Ideen, meine eigene Musik wiederspiegelt. Leider habe ich viel zu wenig freie Zeit um daran zu arbeiten.

Auf welches Stück auf Hijack bist du besonders stolz und warum?

Ich bin auf das gesamte Album stolz. Ehrlich! Natürlich habe ich meine persönlichen Favoriten (Hijack und Conkrete), aber ich bin unheimlich stolz auf das, was wir erreicht haben. Die meisten, von der Gitarre dominierten Alben die ich kenne, fokussieren sich auf die Gitarre. Und zwar ausschließlich auf die Gitarre. Das Schlagzeug und der Bass sind einfach dabei, weil sie dabei sein müssen – in ihrer einfachsten Form! Wir hingegen wollten wie eine richtige Band klingen, nicht nur wie der Lead-Gitarrist und seine Musiker. Ich denke, das haben wir gut hinbekommen! :)

Zahlreiche Gaststars, etwa Ron Thal (Guns ´n` Roses) oder Sylvain Coudret (Soilwork), geben sich auf dem neuen Album die Ehre. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Nun, wie du vielleicht weißt (oder auch nicht), spielten Fanalo und ich für ein paar Jahre zusammen mit Ron Thal in seiner Band Bumblefoot. Wir fragten Ron einfach, ob es für ihn OK wäre ein Solo für unser Album einzuspielen, und er war dabei. Ron ist wie ein Bruder für uns. Mit ihm zu touren war sehr inspirierend. Was Sylvain betrifft, so ist das eine andere Geschichte. Vor einigen Jahren haben wir einen Wettbewerb veranstaltet, bei dem die Leute ein Solo zu einem Ausschnitt aus einem unserer Songs spielen konnten. Wir würden dann eines davon auswählen und auf CD veröffentlichen, und zwar auf dem Track von Ron Thal. Über 90 Soli aus aller Welt wurden eingereicht. Als Solo Nr. 6 eintraf, habe ich dem Teilnehmer per E-mail geantwortet und ihm gedankt. Er schrieb zurück und sagte nebenbei, dass ich mir seine Band anschauen sollte. Sie heißt „Scarve“. Ich konnte gar nicht glauben, was ich da gerade gelesen hatte, denn ich war (und bin es immer noch!) ein riesiger Fan von Scarve! So wurde Sylvain offiziell eingeladen um ein weiteres Solo einzuspielen. Für das Stück „Conkrete“ auf unserem Album. Und es ist wirklich unglaublich! Etwas später trat er dann Soilwork bei.

Gibt es Gründe, warum ihr ausschließlich instrumentalen Metal spielt und auf Gesang verzichtet?

Hauptsächlich spielen wir instrumentale Musik weil Fanalo und ich ziemlich unterschiedliche Geschmäcker haben, wenn es um Gesang geht. Deshalb haben wir uns für die instrumentale Richtung entschieden. Hinzu kommt, dass ich schon mein ganzes Leben lang instrumentale Musik komponiere, was sich nicht so leicht ausblenden lässt. Außerdem ist Musik ohne Gesang universell. Sie kann überall auf der Welt verstanden werden.

Wer sind deine Vorbilder?

Hmmm… So sehr ich auch überlege, es gibt keine! Alle Künstler auf diesem Planeten, die mich auf die ein oder andere Art und Weise beeinflusst haben, lieferten früher oder später etwas ab, womit ich überhaupt nichts anfangen konnte. Sei es auf künstlerischer Ebene oder was mein persönliches Level angeht. Es gibt namhafte Musiker, die ich bewundert habe… Bis zu dem Tag, an dem ich sie traf! Andere haben irgendwann ihre Seele verkauft, so wie etwa Chris Cornell, der ein Album zusammen mit Timbaland aufgenommen hat (nicht dass ich Chris Cornell jetzt übermäßig schätzen würde, aber dieses Beispiel trifft genau auf den Punkt!). Sagen wir’s mal so: Es gibt einige Künstler, die mich kurzzeitig begeistert haben, aber es sind einfach zu viele um sie hier aufzuzählen. :)

Vor wenigen Monaten ist der Remix-Sampler Immortal 4 erschienen. Du hast dafür neue Versionen der Titelmusik aus „Fascination“, sowie des Lagoon-Tracks aus „Fury of the Furries“ beigesteuert. Wieso hast du ausgerechnet diese Stücke neu interpretiert?

Ganz einfach: Ich hatte keine andere Wahl! Eigentlich habe ich gar nicht so viele Soundtracks für Amiga-Spiele geschrieben. Zu Beginn wollte ich zwei Tracks aus Fury oft he Furries verwenden (Lagoon und Desert), aber Jan Zottmann, der Produzent dieses Samplers, wollte die Musik aus zwei verschiedenen Spielen haben und bestand darauf, dass der Titelsong aus Fascination der zweite Remix sein sollte. Daraufhin entschied ich mich für den Lagoon-Track aus FotF, da ich diesen schon immer gerne mochte und er außerdem recht einfach zu Remixen war. Ich brauchte definitiv einen einfachen Titel, da ich mir bereits im Vorfeld im Klaren darüber war, dass bei Fascination wirklich eine Menge Arbeit auf mich zukommen würde. Du musst wissen, dass ich dieses Stück nicht besonders mag (was noch eine Untertreibung ist). Ich kann bis heute nicht verstehen, warum so viele Menschen ausgerechnet diesen Song lieben.

Deshalb war es für mich eine besondere Herausforderung aus einem Lied, das ich eigentlich hasse, etwas zu machen, was mir besser gefällt. Die einzige Möglichkeit dies zu erreichen war, das Hauptthema zu behalten und einen völlig neuen Song darum zu stricken. Das hat lange gedauert, aber jetzt bin ich mehr als zufrieden mit dem Remix. Leider musste ich nach Veröffentlichung von Immortal 4 feststellen, dass beim Mastering des Tracks die Dynamik dieses besonderen Stücks völlig zerstört wurde. Aus diesem Grund habe ich meine eigene, von mir nachbearbeitete Version online gestellt, die man sich unter folgender Adresse anhören kann: http://soundcloud.com/elmobo/fascination-2011-sea-of-love

Wenn wir noch ein bisschen weiter zurückblicken, entdecken wir zwei Stücke, die du für eher ungewöhnliche Projekte geschrieben hast. Zum einen „Flow“, deinen ersten Ambient-Track überhaupt, für den Demo-Sampler „Audiophonik“, sowie „Betrayal“, ein Stück, das du für die Fantasy-Soundtrack-Reihe „Merregnon“ komponiert hast. Welchen Anreiz hat es für dich, solch andere, musikalische Welten zu betreten?

Ich hatte ja bereits über Herausforderungen gesprochen. Wenn ich recht überlege, dann wird meine Kreativität durch besondere Herausforderungen gefördert. Als ich einst auf dem Amiga Musik machte, bestand die Herausforderung darin, den Amiga richtig rocken zu lassen. Als mich die Produzenten von Audiophonik zum Mitmachen einluden und mir sagten, dass es sich um einen Sampler mit elektronischer Musik handelt - nicht gerade mein Spezialgebiet - dachte ich mir: „Was soll das denn? Na gut, versuchen wir es einfach!“ Das war eine gute Ausrede, um etwas mit Buzz Tracker zu komponieren. Jedenfalls habe ich das Schreiben von „Flow“ sehr genossen und bin mit dem Ergebnis äußerst zufrieden.

„Betrayal“ war eine andere Herausforderung. Als Merregnon veröffentlicht wurde habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich auch auf dieser CD hätte mitwirken können. Aus diesem Grund habe ich dieses Stück, eine Mischung aus Orchester- und Rock-Elementen, auch als eine persönliche Herausforderung angesehen. Für „Betrayal“ habe ich viel positives Feedback erhalten, weshalb ich mir sicher bin, mein Ziel erreicht zu haben. Irgendwann möchte ich dieses Lied neu aufnehmen und neu orchestrieren, da die ursprüngliche Version den heutigen Standards nicht mehr entspricht.

Denkst du, dass dir die Veröffentlichung deiner Musik in Szenedemos dabei geholfen hat, später mit Musik Geld zu verdienen?

Definitiv! Zum einen war es ein echt gutes Training um Erfahrungen mit den arg begrenzten technischen Möglichkeiten der damaligen Computer zu sammeln. Zum anderen arbeiten viele Szeneleute in der Spieleindustrie und ich wurde mehr als nur einmal wegen eines Game-Soundtracks kontaktiert, weil ich Moby, der Demoszener, bin. Heutzutage passiert das nicht mehr so oft, aber am Anfang meiner Karriere hat mir dies öfters etwas gebracht.

Bei der Spielemusik scheinst du dich in letzter Zeit mehr auf die Nintendo-Konsolen und –Handhelds spezialisiert zu haben. Ähnelt das Komponieren für diese Geräte mehr an die alten Zeiten, denn es scheint fast, dass bei vielen PC-, Xbox- und PS3-Spielen ohne ein echtes Orchester nicht mehr viel zusammenläuft.

Eigentlich habe ich mich nicht direkt dafür entschieden, nur etwas für Handheld-Systeme zu machen. Nachdem ich im Januar 2001 Kalisto verlassen habe um wieder freiberuflich zu arbeiten, war mein erster Auftrag die Musik für ein Gameboy-Advance-Spiel zu schreiben. Pink / Abyss von Shin’en hatte angefragt (vielen Dank, Kumpel!). Danach arbeitete ich für Allister Brimble an einigen Gameboy-Color- und Gameboy-Advance-Spielen, um anschließend vom Fernsehsender Arte für ihre Sendung „Tracks“ interviewt zu werden. Sie haben mir viele interessante Fragen gestellt und ich habe ihnen genauso interessante Antworten gegeben. Natürlich haben sie nur 15 Sekunden davon ausgestrahlt und präsentierten mich dort als den Spezialisten für Gameboy-Musik – der ich eigentlich nicht bin! Seit diesem Tag wurde ich zumeist für Gameboy-Spiele, und später DS-Spiele, engagiert.

Beschweren möchte ich mich darüber allerdings nicht, da dies durchaus Spaß machen kann und mir einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht. Ich muss allerdings zugeben, dass sich der Spaßfaktor rund um die „gute, alte Zeit“ inzwischen abgenutzt hat und mich langsam ermüdet. Es müssen wohl so um die 450 XM-Musikdateien sein, die ich in den letzten drei bis vier Jahren produziert habe. Leider besteht auch kaum die Möglichkeit, dass ein französischer Musiker an einem der großen AAA-Titel arbeitet. Die französischen Gesetze, die das geistige Eigentum betreffen, sind so streng, dass die großen Publisher die Zusammenarbeit mit französischen Komponisten strikt verbieten.

Würde es dich reizen, einmal Musik zu schreiben, die von einem Orchester intoniert wird?

Warum nicht. Eines der Ziele, die ich in meinem Leben unbedingt erreichen möchte, ist das jedoch nicht. Außerdem ist orchestrale Musik auch nicht mein Spezialgebiet. Was ich aber liebend gerne einmal machen würde, wenn wir bei den Spielen bleiben, ist einen Rock/Metal-Soundtrack zu schreiben, für den ich die Musiker engagieren dürfte, mit denen ich zusammenspielen möchte. Das wäre einfach großartig! In meinem Studio habe ich schon so viele hochtalentierte Leute gehabt, dass dies auf jeden Fall so richtig rocken würde.

Wie stehst du heute zur Demoszene? Verfolgst du die Geschehnisse und Neuerscheinungen dort noch aktiv?

Vor ein paar Monaten kam REZ zu mir nach Hause und wir haben online den Video-Stream eines Demowettbewerbs verfolgt, während wir Pizza aßen. Wir plauderten über Demos und die guten, alten Zeiten… Das war echt lustig! :) Hin und wieder verfolge ich auch, was es an neuen Releases in der Szene gibt, und ich schaue immer wieder mal auf Pouet und BitFellas vorbei. Dabei dürfte ich auf jeden Fall die wichtigsten Demos der letzten Jahre gesehen haben. Einige haben mich schwer beeindruckt, andere weniger. Einige von ihnen weisen eine starke Identität auf, aber den meisten fehlt die künstlerische Leitung. Nehmen wir zum Beispiel die Demos von ASD. Die sind technisch wirklich atemberaubend, aber zumeist folgt nur ein fantastischer Effekt auf den nächsten, ohne irgendeinen tieferen Sinn zu geben. In gewisser Weise ist es genau das, was wir unter Oldskool verstehen. Wobei ich anmerken muss, dass ich wahrscheinlich das letzte Werk von ihnen noch nicht gesehen habe.

Die obligatorische Frage nach deinen Lieblingsdemos möchten wir natürlich auch dir stellen. Kannst du uns bitte mitteilen, welche Demos dir die größten Glücksgefühle geschenkt haben?

Falls du damit Demos aus meiner aktiven Zeit meinst, dann muss ich einfach alles von Andromeda dazu zählen, Extension von Pygmy Projects, Ice von The Silents… Und vermutlich noch ein paar tausend weitere! Was die heutige Demoszene angeht: rove, 02:20 und aeon5 von Farbrausch. Diese drei Demos wecken solch starke Gefühle in mir, denn sie weisen eine intensive Verbindung zwischen Bild und Musik auf und unterliegen einer wirklich starken künstlerischen Leitung.

Wird es irgendwann einmal ein Comeback von Moby in der Demoszene geben?

Das habe ich bereits versucht, aber immer wieder kam etwas dazwischen. Vielleicht klappt es irgendwann in der Zukunft, aber versprechen kann ich es nicht.

Eine letzte Frage zum Schluss: Wann trennt sich Moby von seinen Haaren? ;-)

Niemals, hörst du!? Wahrscheinlich werden meine Haare eher von alleine verschwinden, als dass ich die Entscheidung fassen könnte, sie mir abzuschneiden! :)

Vielen Dank für das Gespräch!


 
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