Blizzard Entertainment: Wie Blizzard seinen Glanz verliert - Special

 

Special: Blizzard Entertainment (Unternehmen)

von Marcel Kleffmann



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Die zukünftigen Blizzard-Spiele

Was kann man von Blizzard Entertainment in den nächsten Jahren erwarten? Sehr wahrscheinlich mehr von allen Blizzard-Marken, und zwar auf mehr Plattformen. Wie im letzten Geschäftsbericht nachzulesen ist, sollen möglichst alle Marken auf Smartphones ausgerollt werden - in welcher Form auch immer.

World of WarCraft läuft dank Shadowlands und Classic momentan so wie seit zehn Jahren nicht mehr und dient dabei auch als sozialer Treffpunkt im Umfeld der Covid-19-Pandemie. Es kann davon ausgegangen werden, dass Blizzard dort gezielt weitermachen wird. Neue Erweiterungen für World of WarCraft und Classic (The Burning Crusade) dürften gesetzt sein, um die aktuellen Spieler zu halten. Zugleich war die Rede davon, mehr "Premium-Inhalte" zu bringen - ohne diesen Schritt zu erläutern. Bei Hearthstone ist die beschleunigte Inhaltsproduktion mit Mini-Sets bereits erkennbar ist. Overwatch 2 und Diablo 4 sind erst für 2022 geplant, wobei vor allem Diablo 4 beweisen muss, dass es die Hardcore-Fans langfristig begeistern kann, denn D3 war ja bekanntlich zu bunt, zu einfach gestrickt und bot trotz hervorragendem Spieltempo zu wenig Charakter-Optionen. An diesem Projekt wird sich zeigen, ob Blizzard es noch kann! Overwatch 2 ist bei Jeff Kaplan hingegen in sehr guten Händen.

Auch ein Remaster oder Remake von Diablo 2 dürfte sehr wahrscheinlich sein, um die Zeit bis Diablo 4 zu überbrücken, zumal der Releasekalender für 2021 sonst völlig leer wäre, wenn man vom ungeliebten Diablo Immortal absieht. Noch so ein Reinfall wie WarCraft 3: Reforged sollte sich Blizzard nicht leisten, dennoch ist die Neuauflage von Diablo 2 längst kein Freifahrtsschein. Es kann so viel schiefgehen, selbst Kleinigkeiten könnten das Vorhaben verhageln. Und so sehr ich mir "mehr StarCraft" wünschen, so sicher bin ich mir, dass diese Rufe unerhört bleiben werden, denn mit Echtzeit-Strategie lässt sich wohl nicht mehr genug Geld verdienen. Die Strategie-Experten von Paradox stimmen mit dieser Ansicht überein. Microsoft verfolgt mit Age of Empires hingegen eine andere Taktik. Zurück zu Blizzard: Die Auflösung von Team 1 ist wohl das endgültige Ende für klassische StarCraft- und WarCraft-Spiele. Last but not least ist es langsam Zeit, dass die Inkubationsabteilung nach mehr als fünf Jahren mal ein Projekt neben Diablo Immortal aus dem Hut zaubert ...

Ausblick

Nach dem Debakel mit WarCraft 3: Reforged konnte Blizzard mit World of WarCraft: Shadowlands im letzten Jahr wieder ein gutes Spiel veröffentlichen, auch wenn es dafür, wenige Wochen vor Release, noch einmal verschoben werden musste.
Nach dem Debakel mit WarCraft 3: Reforged konnte Blizzard mit World of WarCraft: Shadowlands im letzten Jahr wieder ein gutes Spiel veröffentlichen, auch wenn es dafür, wenige Wochen vor Release, noch einmal verschoben werden musste. Es gab größere Balance-Probleme und das Endgame-Gebiet war noch eine Baustelle.
Von dem Unternehmen, das Blizzard Entertainment einmal war, ist nur noch die Fassade übrig. Während die etablierten Marken als bekanntes Aushängeschild bleiben, sind viele der kreativen Schöpfer weitergezogen und verfolgen ihre eigenen Ziele - meist ohne Druck von oben. Der Vorzeige-Entwickler, von dem man vor mehr als zehn Jahren fast blind die Spiele kaufen und sicher sein konnte, dass Design und Qualität sehr gut waren, hat viel von seiner Einzigartigkeit und an gutem Image verloren - gerade bei den treuesten Fans, ihrem lange gehegten und aufgebauten Schatz im Vergleich zu den Spielen von Activision, fing ihre Abkehr an. Sie entfernten und lösten sich von ihrer Community. Schon bei World of WarCraft: Battle for Azeroth und noch viel mehr bei Diablo Immortal zeichnete sich ab, dass die Entwickler nicht mehr wussten, was die Millionen Spieler umfassende Blizzard-Community eigentlich haben wollte. Bei WarCraft 3: Reforged und den fehlenden Reparaturen drängte sich dann der Eindruck auf, dass ihnen die Käufer mittlerweile egal sind - schlechte und zu späte Kommunikation, eine trügerische Überheblichkeit und ein zielsicheres Hüpfen von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen machten das Ganze nicht besser. Selbst die Einstellung von WarCraft 3: Reforged hätte längst nicht so viel Schaden angerichtet wie die Veröffentlichung des Titels in so einem Zustand, die mangelnde Selbstkritik und die fehlenden Reparaturen.

Es liegt jetzt an den vielen neuen Gesichtern bei Blizzard, mit ihren nächsten Spielen zu liefern - um nicht wie BioWare als Markenmelkkuh und Schatten seiner selbst zu enden. Des Weiteren bedeuten "mehr Inhalte", "mehr Produkte" und "häufigere Releases" nicht unbedingt bessere Spiele, sondern nur mehr Präsenz und Engagement für die Investoren. Vor mehr als 20 Jahren wusste Blizzard Entertainment jedenfalls noch, was gute Spiele ausgemacht hat, wie viel Zeit man dafür braucht und was ihre Spieler erwarten ... damals, als man sich noch wirklich um die Fans gekümmert und in die Mitarbeiter abseits der Entwicklerteams investiert hatte, denn auch das gehört zu einer nachhaltigen Strategie, die einst Mike Morhaime hatte.

Kommentare

traceon schrieb am
4P|Marcel hat geschrieben: ?
02.03.2021 14:13
(...) danke für die Lobe (seltsamer Plural). (...)
In der Tat. Deswegen auch: die Lobs. [/Klugsch..]
Klasse Special, gut recherchiert!
4P|Marcel schrieb am
Hallo zusammen,
danke für das reichhaltige und vielschichtige Feedback zu der Blizzard-Reportage. Und auch danke für die Lobe (seltsamer Plural). Sorry für die späte Rückmeldung, aber nach der Blizzard-Reportage und der BlizzConline hatte ich erstmal eine Woche Urlaub ;-) Hatte auch indirekt mit der Reportage zu tun, weil die natürlich sehr, sehr, sehr viel Zeit verschlang - aber es hat sich gelohnt. Ob wir in Zukunft mehr solcher Formate/Reportagen bringen, müssen wir noch intern klären, aber ich hätte schon Lust darauf. Themen gibt es auch reichlich :)
Schöne Grüße
Marcel
Ryan2k6 schrieb am
Kann man mal aufhören Blizzard immer dieses Activision Alibi zu geben? Genau wie Bioware mit EA hat Blizzard genug selbst beigetragen, dass es eben nicht mehr das von früher ist. Activision hat sicher seinen Anteil, aber ist nicht der alleinige und einzige Grund.
casanoffi schrieb am
...die Auswirkungen der Umstrukturierung werden erst später ersichtlich, zumindest in Europa, da im Gegensatz zu den USA viele Arbeitnehmerrechte nicht so lax sind...
"Nicht so lax" ist aber nett ausgedrückt.
Wirtschaftliche Rekorde, der CEO streicht jährliche Bonis in Millionenhöhe ein, aber gleichzeitig werden hunderte Mitarbeiter entlassen.
Das ist halt immer das Problem, wenn unterschiedliche Philosophien aufeinander treffen.
Sowas wie soziale Marktwirtschaft verstehen die einfach nicht.
schrieb am