Death Stranding - Test, Action-Adventure, PlayStation 4

 

Test: Death Stranding (Action-Adventure)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Release:
14.07.2020
08.11.2019
Erhältlich: Digital (Epic Games Store), Einzelhandel
Erhältlich: Digital (PSN), Einzelhandel
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Ein Einstieg wie ein Erdbeben

All das erlebt ihr quasi im Einstieg dieses Spiels, der nach den vier kosmologischen Explosionen der Einleitung selbst wie ein fünftes Erdbeben wirkt. Er hat mich jedenfalls komplett verblüfft, erstaunt und neugierig in die Couch sinken lassen. Die erste Stunde Death Stranding gehört hinsichtlich der Regie und der präsentierten Science-Fiction zum Besten, was ich in meiner Zeit als Spielekritiker erlebt habe. Hier lassen nicht nur Kafka und Shelley grüßen, hier wird unsere Gesellschaft kritisch gespiegelt und die Zukunft auf so kreative Art verzerrt, dass einem dieser fiktive Strang fast glaubwürdig erscheint.

Egal ob schauspielerische Leistung, und zwar inklusive der filmreifen deutschen Sprecher, musikalische Untermalung, technische Visualisierung oder bizarre Weltkonzeption, in der das Futuristische und Dämonische aufeinandertreffen: das ist einfach ein ästhetischer Genuss. Hideo Kojima demonstriert zudem, dass er eine wesentlich bessere Balance aus Film und Spiel findet als noch in Zeiten von Metal Gear, denn man kann viel früher selbst mit Sam losziehen. Interaktion und Inszenierung samt bekannter Schauspieler wechseln harmonisch, mit einem deutlichen Fokus auf das Spiel.

Auf geht
Auf geht's!
Ich habe mich in den ersten Stunden so ähnlich gefühlt wie 1998 beim Spielen von Metal Gear Solid auf der PlayStation – das ist nicht nur der Codec mit seiner Ansprache, die an Colonel Campbell erinnert, da ist auch diese Neugier auf das Unentdeckte. Nicht weil Hideo Kojima da irgendeine bizarre Geschichte erzählt, sondern weil das Spiel als Ganzes, in seiner Art und Mechanik für eine besondere Anziehungskraft sorgt, für eine Art Sense of Wonder. Man will einfach wissen, was es verbirgt, weil man seine Funktionen nicht durchschaut. Es ist ein neues Spielzeug in einer Welt der tausend Spielzeuge.

Mit jedem Schritt mehr Spiel

So eine Leiter kann helfen.
So eine Leiter kann helfen.
Und jetzt müsste das Tragische beginnen: Eigentlich kann ein Spiel nach so einem Start auf lange Sicht nur schlechter werden, nur enttäuschen. Es ist immer relativ einfach zum Start auf die Pauke zu hauen, aber umso schwerer, das Niveau danach zu halten – vor allem, wenn man kein dreistündiges Storytelling-Experiment, sondern einen spielmechanischen Frankenstein von 60 bis 100 Stunden auf die Reise schickt. Aber jetzt folgt das eigentlich Faszinierende: Mit jedem Schritt, den Sam Porter Bridges weiter Richtung Pazifik wandert, so wie Lewis & Clark im Jahre 1804 durch eine gefährliche, meist menschenleere Terra incognita, macht dieses Abenteuer mehr Spaß.

Nicht als passive Metapher, nicht als narratives Experiment, sondern als komplettes Spiel, das bei all der Schwere des Themas, bei all seinen Horrortrips und Schocks, die einen wachrütteln, auch immer eine Hoffnung und ein Augenzwinkern parat hat: Gerade wurde man von schwarzen Händen fast in den Abgrund gerissen, dann marschiert ein Roboter singend mit seiner Fracht los – wie cool ist das? Der Spaß entsteht aber vor allem, weil Hideo Kojima nicht nur Story, sondern auch Erkundung, Kampf, Aufbau, Technologie, Schleichen, Taktik, Sammeln, Flucht, Täuschung, Physik, Akrobatik, Bosse, Routenplanung inszeniert – also ein Erlebnis in zig Facetten. Also rein ins Spiel!

Kommentare

Ryan2k6 schrieb am
Ich habs gestern beendet. Nur das Nötigste gemacht und auf sehr einfach gespielt. Die Story, die Welt, die Atmosphäre war Kojima typisch sehr gut. Die Schauspieler auch echt gut, obwohl ich ein paar Mal ziemlich im uncanny valley war, gerade bei Mama. Aber auch da sehr hochwertig für einen PS4 Port.
Mit dem Gameplay konnte ich leider nicht viel anfangen und habs deswegen gerusht, vor allem Kapitel 3 und 7 haben mich genervt. Und natürlich Episode 10...uff.
Aber am Ende fand ich es trotzdem ein klasse Kojima Spiel.
Noch einige Fragen zum Ende:
Spoiler
Show
1. Wer sind diese 5? "Personen" die an Sams Strand in der Luft schweben? Das Team?
2. Ich dachte lange, dass BB Sam selbst ist, aber am Ende dachte ich dann, dass Sam zwar ein BB war aus dem man was anderes gemacht hat, aber Lou dann einfach nur ein anderes BB war und die Flashbacks beim verbinden mit Lou, waren die von Sam selbst. Passt das so?
3. WTF is denn ne EE? Ein von Gott gesandtes Wesen? Gab es damals auch ne Dino EE? Apropos Dino, woher hatten sie die Farbfotos eines Dinos mit dieser Nabelschnur?
Hab das alles mit Typisch Kojima abgetan. :D
gEoNeO schrieb am
Ich habe mir vor ca. 2 Monaten die PS4 Pro gekauft, zwecks wenig Interesse an der next-Gen und dazu, zu einen guten Preis. Ich spiele seit etwas 2 Wochen Death Stranding und kann nicht aufhören dieses Spiel zu spielen. Es hat mich absolut in seinen Bann verschlossen. Die Immersion ist der Hammer. Die Musik, die Charakter, die Welt mit ihren facettenreichen Landschaften, die geniale Musik, alles verschmilzt in Death Stranding so genial Miteinander. Ich bin bei Kapitel 2 und habe schon 25h auf den Tacho und spüre weder langweile, oder sonst etwas. Selbst Dinge die ich in andere spiele überhaupt nicht mag, funktionieren hier komischerweise wunderbar. Die Knotenpunkten musste ich auf 5 Sterne bringen, da ich hier bei Death Stranding unbedingt alles machen wollte. Ich weiß, dass dieses Spiel extrem polarisiert und einige es überhaupt nicht nachvollziehen können, aber für mich ist es Balsam für die Seele. Endlich traut sich jemand etwas, was sich nicht der Maße biegen möchte und nimmt sich Zeit. Ich muss aber auch gestehen, dass ich abgedrehte spiele/Filme sehr schätze und teils liebe. Eine Anekdote zu Blade Runner 2049: Als ich im Kino saß und mir den Film genüsslich reinzog, merkte ich im Saal, wie die Leute vor Langeweile auf das Handy starrten. Was mir signalisiert, dass er für einige einfach zu lange ist, oder er eben nicht viel Action bietet Deshalb kann ich viele verstehen, wenn sie mit diesen angeblichen ?DHL Simulator? nichts anfangen können. Für mich jetzt schon ein Klassiker und Lieblingsspiel der letzten Jahrzehnten. Danke Jörg für den Test, auch wenn ich einige Jahre später hier reinschreibe.
sourcOr schrieb am
Wegen toller Synchro soll Jörg ne hohe 70 zücken? :D
AkaSuzaku schrieb am
ZELDAfanboy18 hat geschrieben: ?14.07.2020 15:20 Also ich bin hin- und hergerissen, ob ich weiter machen soll. Langeweile mich bis jetzt echt mega bei dem Game (Mission 12) aber die Atmosphäre is mega. Gameplay ist aber bis jetzt echt mangelhaft. Wird es noch besser? Lohnt sich das Durchhalten? Oder alternativ eine Zusammenfassung bei Youtube schauen? Story scheint interessant zu sein.
Für mich bis jetzt total überbewertet wie Shadow of the Colossus (wäre bei mir eher 87/100) und Last Guardian (wäre bei mir eher 70/100).
Bei Letzteren beiden sehe ich das nicht anders, Death Stranding wird für mich aber schon seiner Wertung gerecht. Letztendlich ist aber ja immer die Frage entscheidend, inwiefern man sich auf gewisse Spielmechaniken einlassen kann.
Zu deiner Frage: Ahti scheint davon auszugehen, dass du Kapitel 12 meinst, wenn dem so ist, kann ich nur auf seinen Kommentar verweisen. Solltest du Auftrag Nr. 12 meinen, also noch ganz am Anfang sein: Das war tatsächlich der bislang für mich langweiligste Abschnitt im Spiel. Kurz darauf schoss die Motivation aber aufgrund neuer Mechaniken in ungeahnte Höhen. (Ca. ab Auftrag Nr. 14). Ich kann daher nur dringend dazu raten dem Spiel mal noch vier, fünf Stunden zu geben.
Wenn es dann immer noch nicht passt, würde ich tatsächlich empfehlen abzubrechen.
schrieb am

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